16.10.2020 – Internationaler Tag der Sprachentwicklungsstörungen

Die normale Sprachentwicklung

Kinder eignen sich ihre sprachlichen Fähigkeiten vor allem aus eigenem Antrieb an. Die Entwicklungsphasen und ihre -Reihenfolge sind bei allen Kindern gleich. Wann genau sie anfangen zu sprechen, wie schnell sie ihren Wortschatz erweitern und wann sie welche  Satzstrukturen verwenden ist ganz individuell. Im groben verlaufen die Meilensteine der Sprachtnwicklung wie folgt:

  • Lallen: ab 2. Lebensmonat
  • Einwortsätze: 1 – 1,6 Jahre
  • Zweiwortsätze: 1,6 – 2 Jahre
  • Mehrwortsätze: 2 – 2,6 Jahre
  • Satzgefüge: ca. 3. Lebensjahr

Sprachentwicklungsstörung (SES) – was ist das?

Als Sprachentwicklungsstörung bezeichnet man eine nicht altersgemäße Sprachentwicklung eines Kindes.  Die Entwicklung verläuft oftmals verlangsamt, stagniert oder tritt gar nicht erst ein. Um eine Sprachentwicklungsstörung als Solches zu bezeichnen, muss der Rückstand mindestens sechs Monate hinter dem Entwicklungsalter liegen. Wie bei einem „Dominoeffekt“ wird die Entwicklung unterbrochen und die darauffolgenden Entwicklungsschritte sind gehemmt. Verschiedene Bereiche können hiervon betroffen sein (sowohl das Stottern als auch das „Lispeln“ zählen nicht zu einer Sprachentwicklungsstörung):

  • Störungen des Lauterwerbs (phonologische Dyslalie, Bedeutungsunterscheidende Merkmale von Sprachlauten fehlen, d.h. ähnlich klingende Laute werden nicht voneinander unterschieden (z.B. Tanne statt Kanne))
  • Störungen des Wortschatzes
  • Störungen der Grammatik (Es liegt eine unvollständige oder fehlerhafte Anwendung der Grammatik vor. Das Kind hat Schwierigkeiten in der Artikel-, Plural- und/oder Satzbildung.)
  • Störungen des Sprachverständnisses (Reagiert ein Kind auffallend häufig unangemessen auf sprachliche Aufträge, kann dies auf Probleme beim Verstehen von Sprache hinweisen.)
  • Störungen des Textverständnisses und der Textproduktion
  • Pragmatische Störungen (Das Erzählen von erlebten Dingen und Situationen oder von Bildergeschichten ist nicht verständlich.)

Bei Kindern, die mehrsprachig aufwachsen, liegt eine SES nur vor, wenn in beiden Sprachen Auffälligkeiten bestehen. Sobald die Muttersprache ungestört erworben wurde und nur in der zweiten Sprache Auffälligkeiten bestehen, handelt es sich nicht um eine Störung.

Außerdem spricht man bei Kindern, die mit zwei Jahren keine 50 Wörter und/oder keine Wortkombinationen äußern und deren Ursache nicht auf eine Hörstörung zurückzuführen ist von einer Sprachentwicklungsverzögerung.

Wie erkennt man eine SES?  

In unserer Praxis wird mithilfe verschiedener Diagnostiken ermittelt, wie wir die Therapie für Ihr Kind planen können. Dies geschieht meist auf spielerische Weise und immer mithilfe von standardisierten Diagnostikverfahren, sodass der Entwicklungsstand Ihres Kindes erhoben und mit den Normstichproben einer Altersgruppe verglichen werden kann. Für jeden sprachlichen Bereich gibt es ein eigenes Diagnostikmaterial. Hat das Kind beispielsweise Schwierigkeiten in der Lautbildung wird ein Lautbefund durchgeführt. Das Kind muss dort Bilder benennen und anhand dessen wird geprüft, welche Laute das Kind nicht richtig artikulieren kann. Im Bereich der Grammatik werden zum Beispiel der Satzbau, die Bildung von Zeitformen und auch das Erzählen von Bildergeschichten getestet.

Es ist wichtig, eine SES so früh wie möglich zu erkennen, da nur etwa ein Drittel der Kinder den Rückstand wieder von alleine aufholen. Die anderen zwei Drittel holen es nur oberflächlich auf und weisen beim Schuleintritt beim Lese- und Rechtschreiberwerb Schwierigkeiten auf. (Wa.de, o.D.)
Ursachen für eine SES sind meist genetische oder neurologische Faktoren (z.B. frühkindliche Hirnschädigung), psychische Faktoren oder soziokulturelle Einflüsse (z.B. Mehrsprachigkeit).

Logopädische Übungen finden bei Kindern immer mit speziellen logopädischen Spielen statt.

Therapie

Eine logopädische Therapie unterscheidet sich zum Beispiel von einer allgemeinen Sprachförderung im Kindergarten oder dem Förderunterricht in der Schule, da diese unspezifisch und in größeren Gruppen durchgeführt werden. Für die logopädische Therapie Ihres Kindes formulieren wir individuelle Therapieziele. Hierbei betrachten wir das Kind in seiner Ganzheit und dessen gesamtes Umfeld. Bei der Wahl der Therapiemethoden achten wir zusätzlich auch auf evidenzbasiertes Arbeiten. Die Umsetzung der Therapiemethoden erfolgt dann für Kinder immer spielerisch und dauert in der Regel 45 Minuten und findet ein bis zwei Mal in der Woche statt. Auch der Austausch mit den Eltern/ Bezugspersonen, die eng in die Therapie miteingebunden werden, ist Bestandteil einer erfolgreichen Therapie. Deshalb nehmen wir uns Zeit für regelmäßige Beratungssequenzen und Anleitungen für häusliches Üben.

Autor: Veronika Hefke

Quellenangaben
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Grundzüge der Sprachentwicklung. Zuletzt abgerufen am 14.10.20202, von https://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/entwicklungsschritte/sprachentwicklung/

Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V. Sprache. Zuletzt abgerufen am 14.10.2020, von https://www.dbl-ev.de/logopaedie/stoerungen-bei-kindern/stoerungsbereiche/sprache/

Logopädie Kleve. Sprachstörungen. Zuletzt abgerufen am 14.10.2020, von https://www.logopaedie-kleve.de/?page_id=1122 Wa.de.

Sprachentwicklungsstörung: Mindestens jedes zehnte Kind ist betroffen. Zuletzt abgerufen am 14.10.2020, von  https://www.wa.de/lokales/boenen/sprachentwicklungsstoerung-mindestens-jedes-zehnte-kind-betroffen-13126794.html